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Wenn der Körper die Botschaft sabotiert: Warum inkongruente Kommunikation unglaubwürdig macht

Autorenbild: Bettina Stefanie (Betty) Holle
Bettina Stefanie (Betty) Holle
17. Feb.
4 Min. Lesezeit


Ein alltägliches Phänomen mit fatalen Folgen.


Erst gestern spülte "es" der Algorithmus wieder in meinen Feed: Ein Video, in dem jemand von „Offenheit" und „Dialog mit dem Bürger" spricht.


Aber was ich sehe, ist genau das Gegenteil:

  • Eine Hand am Mikrofon und die andere in der Hosentasche

  • Oberarme an die Flanken gepresst

  • Keine Gestik

  • Keine Raumnahme


Der Mund sagt: "Wir wollen Offenheit und Dialog."

Der Körper signalisiert: „Alles geschlossen! Ich will eigentlich weg hier! Dialog? Heute nicht mehr!"



Was passiert beim Zuschauenden?


Verwirrung. Misstrauen. Unbehagen.


Einerseits wollen wir den Worten Glauben schenken. Andererseits können wir auch nicht wegsehen und nehmen wahr, dass da etwas nicht stimmt.


Auch der Körper kommuniziert. Immer. Ob wir wollen oder nicht.


Kommunikation wird auf mehreren Ebenen gesendet und auf mehreren Ebenen empfangen.


Und wenn die Kommunikation auf den unterschiedlichen Ebenen nicht kongruent ist, dann ist der oder die Empfänger:in unsicher bis verwirrt: Welcher Ebene kann, welcher Ebene soll ich glauben?


Im Falle des Videos von gestern: Wem glaube ich? Glaube ich den Worten oder dem Körper?


Meine Schauspiellehrerin von "Anno dazumal" hätte hier empfohlen (okay, befohlen): "Raus aus den Möbeln!". Hier fehlt nicht nur die Raumnahme (Proxemik). Hier fehlt der ehrliche Wille oder auch das aufrichtige Interesse für einen Dialog mit dem Gegenüber. Warum? Vielleicht aus Unsicherheit oder sogar Angst? Manchmal kommt "der Mut" von ganz allein, wenn wir unsere Konzentration weg von der Angst, hin zum ehrlichen Mitteilungswillen lenken. Ein Versuch ist es wert.
Meine Schauspiellehrerin von "Anno dazumal" hätte hier empfohlen (okay, befohlen): "Raus aus den Möbeln!". Hier fehlt nicht nur die Raumnahme (Proxemik). Hier fehlt der ehrliche Wille oder auch das aufrichtige Interesse für einen Dialog mit dem Gegenüber. Warum? Vielleicht aus Unsicherheit oder sogar Angst? Manchmal kommt "der Mut" von ganz allein, wenn wir unsere Konzentration weg von der Angst, hin zum ehrlichen Mitteilungswillen lenken. Ein Versuch ist es wert.


Wer gewinnt? Körper oder Worte?


Wer im Leben schon öfter die Erfahrung machen musste, dass Worte lügen können, glaubt eher dem Körper.


Wer eher den Worten glauben möchte, blendet den Körper aus.


Auf alle Fälle lenkt uns diese Inkongruenz irgendwie vom Inhalt ab. Und wenn es nur ein „komisches Bauchgefühl" ist, das wir nicht erklären können.


Die wichtigste Regel in der Kommunikation: Nichts darf von der Botschaft ablenken.


Außer es ist als Irritationsmoment dramaturgisch gewollt, damit alle mal wieder aufwachen.


Alle Ebenen sollen ihr Bestmöglichstes zum Gelingen der Kommunikation beitragen und dieselbe „Geschichte" erzählen. Denselben Inhalt transportieren.



Welche Ebenen der Kommunikation gibt es?


1. Die verbale Ebene: Was wird gesagt? Welche Worte, welche Inhalte?


2. Die paraverbale Ebene: Wie wird es gesagt? Stimme, Tonfall, Lautstärke, Tempo, Pausen.


3. Die extraverbale Ebene: Was zeigt der Körper? Gestik, Mimik, Haltung, Raumnahme.


Im besten Fall arbeiten alle drei Ebenen zusammen und im schlechtesten eben gegeneinander.



Typische Beispiele für Inkongruenz in der Führungskommunikation


Beispiel 1: Der Vorstand mit der zittrigen Stimme

Ein Vorstand verkündet eine Restrukturierung mit den Worten „Wir sind zuversichtlich für die Zukunft", aber die Stimme zittert, klingt "gepresst" oder "dünn".

Was ankommen kann: Angst. Unsicherheit. „Die haben selbst keinen Plan."


Beispiel 2: Die Ministerin ohne Gestik

Eine Politikerin spricht über Bürgernähe und Transparenz, steht dabei aber steif hinter dem Rednerpult, Arme fest am Körper, keine einzige öffnende Geste.

Was ankommen kann: Verschlossenheit. Distanz. „Die will gar nicht mit uns reden."


Beispiel 3: Der CEO mit dem "falschen Lächeln"

Ein Geschäftsführer entschuldigt sich für einen gravierenden Fehler, lächelt dabei aber konstant (beispielsweise aus Nervosität oder Verlegenheit).

Was ankommen kann: Unangemessenheit. Fehlende Ernsthaftigkeit. „Dem ist das doch egal."


Stress und Anspannung können sich unterschiedlich auf unsere Ebenen der Kommunikation auswirken. Meist kommt es dabei zur Inkongruenz, die unsere Außenwirkung maßgeblich verändert.
Stress und Anspannung können sich unterschiedlich auf unsere Ebenen der Kommunikation auswirken. Meist kommt es dabei zur Inkongruenz, die unsere Außenwirkung maßgeblich verändert.

Warum passiert das überhaupt?


Inkongruente Kommunikation geschieht selten bewusst. Meist sind es diese Gründe:


Stress und Anspannung: Unter Druck spannt sich der Körper meist automatisch an, was Auswirkungen auf die Atmung haben kann. Oder auf die Stimme, die dann "gepresst", "tonlos" oder als "zu hoch" wahrgenommen werden kann. Nicht selten verschwindet deshalb auch die Gestik.


Mangelnde Selbstwahrnehmung: Viele Sprechende konzentrieren sich hauptsächlich auf den Inhalt und vergessen dabei dann beispielsweise den eigenen Körper. Viele haben sich nie damit beschäftigt, wie sie (in diesem Fall körperlich) beim Gegenüber ankommen.


Falsches Authentizitätsverständnis: „Ich bin halt so" ist keine Ausrede. Authentizität bedeutet nicht, unvorbereitet und "frei raus" aufzutreten. Authentizität bedeutet, dass alle Ebenen dieselbe Wahrheit erzählen. (Sich-selbst-) Bewusst gestaltet.



Die Berufskrankheit einer Sprechwissenschaftlerin


Call it Berufskrankheit, dass mir das so ins Auge sticht. Der Mainpoint in meinem Job ist es, zu schauen, ob alle Ebenen dieselbe Geschichte erzählen oder ob auf einer der Ebenen eine ganz andere Story erzählt wird.


Und genau das trainiere ich mit Führungskräften, Vorständen, Pressesprecher:innen und Regierungsvertreter:innen:

Kongruenz zwischen verbaler, paraverbaler und extraverbaler Ebene der Kommunikation.


Nicht, damit alle gleich aussehen. Nicht, damit alle „perfekt performen". Sondern damit die jeweilige Botschaft glaubwürdig, klar und vor allem wirksam ankommt.



Was können Sie tun?


Wenn Sie sich in einem der Beispiele wiedererkennen oder schon einmal das Gefühl hatten, dass Ihre Botschaft nicht so ankommt, wie Sie es sich wünschen, habe ich hier 4 kleine, aber wirkungsvolle Tipps für Sie:


1. Werden Sie sich Ihrer Wirkung bewusst. Lassen Sie sich filmen. Schauen Sie sich Aufnahmen Ihrer Auftritte an. Fragen Sie Menschen, denen Sie vertrauen, nach ehrlichem Feedback.


2. Trainieren Sie Körpersprache gezielt. Gestik ist kein Zufall. Raumnahme ist erlernbar. Offene Körperhaltung lässt sich üben.


3. Arbeiten Sie an Ihrer Stimme. Atemtechnik, Stimmführung, bewusstes Tempo: all das macht den Unterschied zwischen „zittrig" und „souverän".


4. Üben Sie in geschütztem Raum. Nicht erst auf der großen Bühne, sondern im Training. Mit professionellem Feedback. Sprechwissenschaftlich fundiert.



Kongruenz ist kein Luxus. Sie ist Pflicht


Sie können es sich nicht leisten, dass Ihr Körper Ihre Botschaft sabotiert.

Nicht in Krisensituationen. Nicht bei Presseterminen. Nicht in Mitarbeitergesprächen. Nicht bei wichtigen Verhandlungen.


Denn wenn verbale und nonverbale Kommunikation nicht übereinstimmen, verlieren Sie etwas Entscheidendes: Glaubwürdigkeit.

Und die lässt sich nicht durch schöne Worte zurückgewinnen, sondern nur durch bewusste und kongruente Kommunikation.




Sie wollen sicherstellen, dass Ihre Botschaft auch körpersprachlich ankommt?


Im Executive Presentation Excellence Training analysieren wir gemeinsam, wo Ihre verbale, paraverbale und extraverbale Kommunikation auseinanderdriftet und wie Sie alle Ebenen in Einklang bringen.


Sprechwissenschaftlich fundiert. Praxisnah. Wirksam.


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