Wirkung entsteht beim Empfänger. Nicht beim Sender.
- Bettina Stefanie (Betty) Holle

- 4. Feb.
- 3 Min. Lesezeit
Kennen Sie das? Sie halten eine Präsentation, die Sie für sachlich und informativ halten, während Ihr Gegenüber Sie als distanziert empfindet . Sie meinen es freundlich und werden als unsicher wahrgenommen. Sie wollen Kompetenz ausstrahlen und wirken arrogant.
Willkommen in der Realität menschlicher Kommunikation.

Das Missverständnis über Wirkung
Viele Sprechende gehen davon aus, dass sie ihre Wirkung kontrollieren können. Sie planen ihre Botschaft, wählen ihre Worte, arbeiten an ihrer Körpersprache. In der Annahme, dass genau DAS ankommt, was sie senden wollen.
Doch so funktioniert Kommunikation nicht.
Wirkung entsteht nicht dort, wo Sie senden. Wirkung entsteht dort, wo jemand empfängt.
Und diese:r Empfänger:in hat seine oder ihre eigene Geschichte. Seine/ihre eigenen Erfahrungen. Seine/ihre eigenen Filter. Seine/ihre eigene Art, die Welt zu interpretieren.
Warum dieselbe Botschaft unterschiedlich wirkt
Stellen Sie sich vor: Sie sagen in einem Meeting „Das sehe ich anders."
Für Kollegin A ist das ein Zeichen von Klarheit und Expertise. Endlich jemand, der Position bezieht.
Für Kollege B wirkt derselbe Satz wie eine Zurückweisung. Er fühlt sich nicht ernst genommen.
Für Vorgesetzte C ist es ein Signal von Stärke. Genau die Art von Führungskraft, die sie sucht.
Drei Menschen. Ein Satz. Drei völlig unterschiedliche Wirkungen.
Was hat sich geändert? Nicht Ihre Intention. Sondern die Wahrnehmung der Empfänger:innen; geprägt durch ihre jeweilige Biografie, ihre Erwartungen, ihre emotionale Verfassung in diesem Moment.
Die Illusion der Kontrolle aufgeben
Das ist für viele Führungskräfte zunächst frustrierend. Wenn ich meine Wirkung nicht kontrollieren kann, was bedeutet das für meine Kommunikation?
Es bedeutet zunächst: Akzeptieren Sie, dass perfekte Kontrolle nicht möglich ist. Sie können nicht in die Köpfe Ihrer Zuhörenden hineinkriechen und deren Wahrnehmungsfilter neu programmieren.
Aber - und das ist die gute Nachricht: Sie können sehr wohl Einfluss nehmen.

Was Sie tatsächlich steuern können
Auch wenn Sie die Interpretation Ihrer Botschaft nicht diktieren können, haben Sie durchaus Gestaltungsspielraum:
1. Ihre Authentizität Je kongruenter Sie auftreten, je mehr Ihre Worte, Ihr Tonfall und Ihre Körpersprache übereinstimmen, desto eindeutiger wird Ihr Signal. Widersprüche zwischen verschiedenen Kommunikationsebenen laden zu Fehlinterpretationen ein.
2. Ihre Klarheit Mehrdeutigkeiten öffnen Interpretationsspielräume. Je präziser Sie formulieren, desto geringer die Wahrscheinlichkeit für Missverständnisse. Das gilt für Wortwahl, Satzbau und Struktur.
3. Ihre Beziehungsgestaltung Menschen interpretieren Sie anders, je nachdem, welche Beziehung sie zu Ihnen haben. Wer Ihnen vertraut, interpretiert Ihr Schweigen als Nachdenken. Wer Ihnen misstraut, deutet dasselbe Schweigen als Taktieren.
4. Ihre Aufmerksamkeit für Signale Sie können lernen, die Wirkung Ihrer Kommunikation zu lesen: in den Reaktionen Ihres Gegenübers. Mimik, Körperhaltung, Zwischenfragen. All das zeigt Ihnen, was ankommt. Und gibt Ihnen die Möglichkeit, nachzujustieren.
Der entscheidende Perspektivwechsel
Wirksame Kommunikation beginnt nicht mit der Frage „Was will ich sagen?", sondern mit den Fragen "Was könnte ankommen?" und „Was soll ankommen?"
Das ist kein Plädoyer für Anpassung oder Selbstverleugnung. Im Gegenteil: Es ist ein Plädoyer für kommunikative Verantwortung.
Wenn Sie wissen, dass Ihre Wirkung bei der oder dem Empfänger:in entsteht, hören Sie anders zu. Sie beobachten genauer. Sie fragen nach. Sie überprüfen, ob Ihre Botschaft so angekommen ist, wie Sie es beabsichtigt haben.
Sie gehen vom Sender-Denken ins Dialog-Denken.

Von der Absicht zur tatsächlichen Wirkung
Sprechwissenschaftlich fundierte Kommunikationskompetenz bedeutet genau das: zu verstehen, wie menschliche Wahrnehmung funktioniert.
Welche Faktoren beeinflussen, wie Menschen Sie interpretieren. Und wie Sie mit diesem Wissen bewusster kommunizieren können.
Nicht um sich zu verstellen. Sondern um sich verständlich zu machen.
Nicht um zu manipulieren. Sondern um Missverständnisse zu reduzieren.
Nicht um perfekt zu wirken. Sondern um echt zu wirken. Auf eine Art, die ankommt.
Ihre Wirkung ist kein Zufall. Sie ist Handwerk.
Und wie bei jedem Handwerk können Sie lernen, es bewusst auszuüben. Mit wissenschaftlich fundiertem Wissen über Sprache, Stimme und menschliche Wahrnehmung.
Genau dafür steht das Institut für Wirkungskompetenz.


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