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"Probier's mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit".

Autorenbild: Betty Holle
Betty Holle
17. Feb.
2 Min. Lesezeit

Was Balus Weisheit mit Ihnen, Ihrem Nervensystem und Ihrem Publikum gemeinsam hat.




Balu der Bär wusste es schon immer. Lange vor der modernen Stressforschung tanzte er schon durch den Dschungel und sang: "Probier's mal mit Gemütlichkeit .." .


Ich musste an ihn denken, als ich gestern ein Webinar zum Thema Kreativität besuchte. Thema: spannend. Moderatorin: offensichtlich kompetent. Trotzdem war ich nach fünf Minuten raus.


Nicht weil der Inhalt schlecht war. Sondern weil die Aufregung der Vortragenden direkt auf mich übergesprungen ist.

Das Sprechtempo war hoch. Sehr hoch. Die Worte jagten sich. Die inneren Bilder, von denen sie sprach, entstanden bei mir schlicht nicht. Dafür hätte ich Zeit gebraucht. Zeit, die mir nicht gegeben wurde.


Statt kreativer Impulse saß ich da mit einer leichten Grundnervosität. Als wäre ich in ein Uni-Referat geraten, das auf Tempo getrimmt wurde, um endlich fertig zu werden.


Das ist kein Vorwurf. Das ist Physiologie.



Der zahnlose Tiger und warum wir trotzdem rennen


Im Dschungelbuch gibt es echte Gefahren: Shir Khan, die Schlange Kaa, die Geier. Aber Balu bleibt gelassen. Er weiß: Nicht jede Bedrohung verdient Panik.


Zeigen Sie ihrem Nervensystem, dass der Tiger satt ist.
Zeigen Sie ihrem Nervensystem, dass der Tiger satt ist.

Unser Nervensystem hat diese Unterscheidung leider noch nicht gelernt. Wenn wir aufgeregt sind, vor oder in einem Vortrag, einem Webinar, einem TV-Auftritt, reagiert der Körper, als wäre Shir Khan persönlich im Raum.


Das vegetative Nervensystem schaltet in den Sympathikus-Modus: Herzschlag rauf, Atmung flacher, Gedanken schneller. Wir reden, weil wir reden müssen. Und wir reden schnell, weil sich das innerlich wie Kontrolle anfühlt.


In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall.


Schnelles Sprechen in der Aufregung ist wie Benzin ins Feuer gießen. Das Nervensystem interpretiert die Beschleunigung als Signal: Gefahr ist noch da. Und dreht weiter auf. Ein Kreislauf, aus dem man schwer herausfindet, wenn man nicht auf Balu gehört hat.




Der Gegenzug: bewusste Entschleunigung


Was wirklich hilft, ist das scheinbar Paradoxe: langsamer werden, wenn man am liebsten schneller wäre. Balu nennt es Gemütlichkeit. Die Neurowissenschaft nennt es Regulation des vegetativen Nervensystems. Beides meint dasselbe.


Bewusste Entschleunigung hat zwei unmittelbare positive Effekte:


1. Ihr Nervensystem beruhigt sich. Langsameres Sprechen signalisiert dem Gehirn: Es ist sicher. Der Parasympathikus übernimmt. Atemfrequenz und Herzschlag verlangsamen sich. Cortisol- und Adrenalinspiegel gehen zurück. Konzentration und Klarheit kehren zurück. Sie denken wieder. Sind wieder fähig zu agieren, statt nur zu reagieren. Sie spüren sich wieder. Und genau das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass auch Ihr Publikum etwas (Positives) spürt.


2. Ihr Gegenüber kann Ihnen besser folgen. Verstehen ist kein passiver Vorgang. Menschen brauchen Zeit, um Gehörtes zu verarbeiten, innere Bilder aufzubauen, Bedeutung herzustellen. Genau die Zeit, die Sie selbst zum Denken brauchen, die braucht Ihr Publikum auch. Wer zu schnell spricht, nimmt dem anderen diese Zeit. Der Kontakt bricht ab. Nicht aus Desinteresse, sondern aus schlichter kognitiver Überforderung. Auch Mogli wäre nie in den Dschungel verliebt gewesen, wenn Balu alles in zehn Sekunden runtergerappt hätte.



Probier's mal mit Gemütlichkeit


Das nächste Mal, wenn Sie Aufregung oder innere Unruhe vor oder bei Ihrem Webinar, Vortrag oder TV-Auftritt spüren: denken Sie an Balu.

Nicht weil Sie ein Bär im Dschungel sind. Sondern weil er etwas verstanden hat, das viele Sprechende noch lernen dürfen:

Ruhe ist keine Schwäche.

Langsamkeit ist keine Lücke.

Gemütlichkeit ist keine Nachlässigkeit.

Es ist eines Ihrer stärksten Werkzeuge.


Es grüßt Sie:

Ihr innerer Balu.



 
 
 

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