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Warum uns „Eigentlich … aber” triggert und wie wir professionell damit umgehen können.

Ein sprechwissenschaftlicher Blick auf die Satzkonstruktion „EIGENTLICH … ABER ...”: Warum sie uns reizt, was sie über die sprechende Person verrät und wie Sie im Gespräch souverän damit umgehen.



„Eigentlich wollte ich mich gestern schon melden, aber …”

„Eigentlich finde ich deine Idee gut, aber …”

„Eigentlich stimme ich dir voll und ganz zu, aber …”


Kennen Sie das Gefühl, das sich in dem Moment einstellt, in dem Sie diesen Satz hören? Dieses kurze Zusammenziehen im Bauch, noch bevor der zweite Halbsatz überhaupt fertig ist? Sie ahnen schon: Jetzt kommt etwas, das die Zustimmung vom Anfang wieder kassiert.


Aus sprechwissenschaftlicher Sicht ist diese Reaktion kein Zufall und schon gar keine Überempfindlichkeit. Sie ist präzise erklärbar, und zwar auf mehreren Ebenen gleichzeitig.


Das Wort „aber” hat immer das letzte Wort

Grammatikalisch gehört „eigentlich … aber” zur Gruppe der konzessiven Konstruktionen. Ein solcher Satz räumt zunächst etwas ein, um anschließend von einem Gegenargument wieder ausradiert zu werden.

Der erste Halbsatz ist rhetorisches Vorspiel. Die eigentliche Botschaft steckt im zweiten Teil.


Wer also „eigentlich … aber” hört, registriert unbewusst völlig richtig: Die Zustimmung war nicht die Nachricht. Die Einschränkung ist die Nachricht. Genau dieses Auseinanderfallen von Wortlaut und Wirkung ist der erste Grund, warum uns dieser Satztyp reizt.


„Eigentlich” ist ein Weichmacher, kein Kompliment

Das Wörtchen „eigentlich” gehört zu einer sprachlichen Kategorie, die man in der Linguistik Hedging nennt. Eine aktuelle Untersuchung zu Hedging im Deutschen ordnet „eigentlich” konkret als Modaladverb ein, das eine Aussage von ihrem unmarkierten, eigentlichen Wert abweichen lässt und sie damit unschärfer macht. Genau darin liegt die Funktion von Hedges: Sie machen Aussagen weniger verbindlich. Sie dienen der Höflichkeit und dem Wahren des Gesichts, sowohl des eigenen als auch des Gegenübers, wie es die Höflichkeitsforschung rund um Penelope Brown und Stephen Levinson beschreibt (1).

Höflicher Mann mit Hut
Hedging dient der Höflichkeit und dem Wahren des eigenen Gesichts. Kann auf das Gegenüber aber zutiefst irritierend wirken. Originalbild: Canva.

Das Problem an „eigentlich … aber” ist, dass der Weichmacher missbräuchlich verwendet wird. Die Zustimmung wird sprachlich inszeniert, ohne dass sie inhaltlich gemeint ist. Für Ihr Gegenüber fühlt sich das an wie ein Kompliment oder eine Zustimmung; aber eben mit Verfallsdatum. Und genau dieses Gefühl, gerade noch bestätigt und im nächsten Atemzug wieder relativiert worden zu sein, ist zutiefst irritierend.


Zwei Ebenen, ein Widerspruch

Jede Aussage transportiert eine Sachbotschaft und eine Beziehungsbotschaft gleichzeitig. Das ist eine der zentralen Erkenntnisse der Kommunikationspsychologie und geht auf Paul Watzlawick (2) zurück. Die Beziehungsebene bestimmt dabei, wie wir den Inhalt deuten, nicht umgekehrt.

Bei „eigentlich … aber” sagt die Inhaltsebene oft etwas Ausgewogenes. Die Beziehungsebene aber, also das, was zwischen den Zeilen mitschwingt, transportiert Distanz, Vorbehalt oder eine stille Zurückweisung. Weil die Beziehungsebene stärker wiegt, gewinnt am Ende fast immer der Vorbehalt, egal wie freundlich der erste Halbsatz gemeint war.


Das Spiel, das dahintersteckt

Aus der Transaktionsanalyse kennen wir ein Muster, das Eric Berne (3) das „Ja, aber”-Spiel genannt hat. Jemand bittet scheinbar um Rat oder Zustimmung und entkräftet dann jeden Vorschlag, jedes Argument, jede Idee mit einem „Ja, aber, das geht aus diesem oder jenem Grund nicht”. Am Ende hat die andere Person keine Vorschläge mehr, beide fühlen sich unwohl, und niemand hat sich wirklich bewegt.

„Eigentlich … aber” ist die höfliche Variante genau dieses Musters. Es hält die Harmonie an der Oberfläche aufrecht und verweigert gleichzeitig die tatsächliche Konsequenz. Wer das erkennt, versteht auch, warum es so anstrengend ist, mit jemandem zu diskutieren, der ständig in diesem Muster spricht: Es geht in Wahrheit nicht um die Sache, sondern darum, den eigenen Standpunkt nicht aufgeben zu müssen.


Warum wir das überhaupt tun

Die Sozialpsychologie liefert eine einleuchtende Erklärung dafür, warum Menschen so formulieren. Leon Festinger (4) beschrieb mit der kognitiven Dissonanz das unangenehme Gefühl, das entsteht, wenn zwei Überzeugungen oder eine Überzeugung und ein Verhalten nicht zusammenpassen. „Eigentlich finde ich das gut, aber ich mache trotzdem etwas anderes” ist genau so ein innerer Widerspruch.

Der Satz löst diesen Widerspruch sprachlich, ohne ihn tatsächlich aufzulösen. Man darf sich selbst weiter als zustimmend, vernünftig und wohlwollend erleben und bleibt trotzdem bei der ursprünglichen Position. Das ist keine bewusste Täuschung. Es ist ein Reflex, mit dem wir uns selbst die Widersprüchlichkeit erträglicher machen.


Mann versteckt sich symbolisch hinter Vorhang.
"Eigentlich .. aber..."-Sätze werden selten bewusst manipulatorisch vom Gegenüber eingesetzt.

Was dieser Satz über die sprechende Person verrät

„Eigentlich … aber” ist selten Manipulation.

Meistens verrät es:

  • Eine Ambivalenz, die noch nicht entschieden ist, aber auch nicht offen zugegeben werden soll

  • Den Wunsch, den Konflikt zu vermeiden, ohne dabei die eigene Position wirklich aufzugeben

  • Ein Bedürfnis, die Verantwortung für eine Lösung oder Entscheidung an das Gegenüber weiterzureichen


Wer das bei sich selbst bemerkt, hat bereits den ersten und wichtigsten Schritt gemacht.


Was Sie damit tun können

  • Steigen Sie nicht in die Sachdiskussion ein. Wer auf jedes „aber” mit einem neuen Argument antwortet, füttert das Muster weiter, statt es zu unterbrechen.

  • Sprechen Sie die Struktur an, nicht die Person. Ein einfaches „Ich höre gerade ein Eigentlich und ein Aber, was ist für Sie der eigentliche Punkt?” macht aus einem unbewussten Muster ein bewusstes Gespräch.

  • Fragen Sie lösungsorientiert statt bewertend. Damit holen Sie Ihr Gegenüber aus der Verteidigungshaltung heraus und öffnen den Raum für eine echte Entscheidung.

  • Nehmen Sie den Vorbehalt ernst, ohne sich in immer neue Gegenargumente hineinziehen zu lassen. Beides gleichzeitig zu tun, ist die eigentliche Kunst.


„Eigentlich … aber” ist also nie nur ein Satz. Es ist ein kleines Fenster in einen inneren Konflikt, den die sprechende Person noch nicht sortiert hat. Wer das erkennt, kann souveräner damit umgehen, sowohl im Gespräch mit anderen als auch im eigenen Sprechen.


Sie möchten lernen, solche Muster in Gesprächen sicher zu erkennen und wirkungsvoll darauf zu reagieren?

Dann sind Sie hier genau richtig.

Herzlich willkommen im Institut für Wirkungskompetenz.


Quellenangaben:

(1) Brown, P. & Levinson, S. (1987). Politeness: Some Universals in Language Usage. Cambridge University Press. S. 59 - 61.

(2) Watzlawick, P., Beavin, J. H. & Jackson, D. D. (1967). Pragmatics of Human Communication: A Study of Interactional Patterns, Pathologies, and Paradoxes. New York: W. W. Norton. Deutsche Ausgabe: Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien (1969), Bern: Huber.

(3) Berne, E. (1964). Games People Play: The Psychology of Human Relationships. New York: Grove Press. Deutsche Ausgabe: Spiele der Erwachsenen: Psychologie der menschlichen Beziehungen (1967), Reinbek: Rowohlt.

(4) Festinger, L. (1957). A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford, CA: Stanford University Press. Deutsche Ausgabe: Theorie der kognitiven Dissonanz (1978), Bern: Huber.

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